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Predig am 24. Dezember 2025 in der Erlöserkirche
Predigttext – Ezechiel 37,24-28: „Und mein Diener David wird König sein über sie, und sie alle werden einen einzigen Hirten haben. Und sie werden nach meinen Rechtssätzen leben, und meine Satzungen werden sie einhalten und danach handeln. Und sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Diener, Jakob, gegeben habe, in dem eure Vorfahren gewohnt haben. Und darin werden sie wohnen, sie und ihre Kinder und die Kinder ihrer Kinder, für immer; und David, mein Knecht, wird ihnen Fürst sein für immer. Und ich werde einen Friedensbund mit ihnen schliessen, es wird ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und dazu mache ich sie: Ich mache sie zahlreich. Und ich setze mein Heiligtum für immer in ihre Mitte. Und meine Wohnung wird über ihnen sein, und ich werde ihnen Gott sein, und sie, sie werden mir Volk sein. Und die Nationen werden erkennen, dass ich es bin, der Herr, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer in ihrer Mitte ist.“ Predigt: Liebe Gemeinde, die ganz große Hoffnungsvision! Das ist es, was wir hier vor uns haben. Das sind diese Verse aus dem Buch des Propheten Ezechiel. Eine ganz große Rede von all dem, was Gott verspricht, was Menschen mit Gott verbinden, was Gott zusagt – hier durch den Mund eines seiner Propheten. Es ist die ganz große Hoffnungsrede, weil sie all das enthält, wovon das Volk Gottes im Alten Testament träumt, was es sich erhofft, was es sich wünscht – und all das, was Gott von seinem Volk, dem Gegenüber seines Bundes, erwartet und ihnen auch zusagt. Und wenn Gott so etwas zusagt, so etwas verspricht, dann hält er es auch! Diese ganz große Hoffnungsvision, sie ist also eine ganz große Botschaft Gottes, die bestätigt ist. Sehen wir uns das ein wenig an – nicht alles (das ist ja keine Exegese-Vorlesung), aber ein paar der Dinge, die Gott hier zusagt und bestätigt. I. Der einzige König und Hirte Gott sagt zu, dass es nicht mehr viele Herren und Herrscher geben würde, keinen König von Juda und einen von Israel, keine Fremdherrscher, keine vielen Hirte, die das Volk einmal hierhin einmal dorthin treiben – sondern nur einen einzigen! Das wird hier mit David verknüpft, der natürlich viel früher gelebt hat. Aber dieser eine, das soll es zeigen, wird aus dem Haus Davids sein. Ein König – ein Hirte! Und ein guter noch dazu! Kommt uns das bekannt vor? Haben wir nicht einen, der von sich sagt: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt setzt sein Leben ein für die Schafe.“ (Joh 10,11). In Christus erfüllt Gott diese Erwartung, diese Hoffnung, diese Zusage. Er sendet einen wirklich guten Hirten, einen der kommt, um zu herrschen – aber nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe, nicht mit Stock und Peitsche – sondern mit seinem Kreuz, das er für uns trägt. Nicht indem er das Leben anderer aufs Spiel setzt, sondern indem er sein Leben einsetzt für uns, seine Herde, sein Volk. Das Bild von uns als Herde, ja als Schafen, das entspricht uns modernen, selbstständigen und selbstbewussten Menschen oft nicht so ganz, das ist uns ein wenig unangenehm – aber es liegt doch so viel Sicherheit darin, dass wir in Jesus einen Hirten haben. Einen, dem wir uns anvertrauen wollen. Nehmen wir das als ersten Vorsatz mit aus diesem Heiligen Abend: Vertrauen wir auf unseren guten Hirten Jesus, dessen Kommen wir heute feiern. II. Der Bund des Friedens Durch den Mund des Propheten verspricht Gott einen „Friedensbund“ – einen berit schalom. Einen Bund, der ewig sein wird. Gott will Frieden – das galt damals zur Zeit der Propheten, als das Volk Gottes in der Verbannung war. Das gilt heute – der Wille Gottes ist Frieden. Im Großen, auf der ganzen Welt und unter allen Völkern. Im Kleinen – Frieden in den Familien, in den Partnerschaften, besonders aber: Frieden in den Herzen. Frieden in dir. Wenn Gott einen Friedensbund verspricht – dann sagt er dir zu: sei Teil davon. Lass meinen Frieden bei dir einkehren, lass dich erfüllen von dem Frieden, den nur Gott schenken kann. Dieser Frieden ist in die Welt gekommen. In Jesus Christus, dem verheißenen „Friedensfürsten“. Jesus ist der menschgewordene Ausdruck des Friedenswillens Gottes – in der Welt, in der Kirche, in dir. Lass es Friede werden in deinem Herzen – das ist die weihnachtliche Botschaft. Lass Gott wirken durch seinen Bund, stelle dich hinein in diesen Frieden – Gott lädt dich dazu ein, er sieht es vor, dass du Anteil an seinem Bund hast. Nehmen wir das als zweiten Vorsatz mit: Uns bewusst zu machen, dass Gott einen Friedensbund mit uns hat und dass wir es ihm schuldig sind, nach Kräften danach zu leben uns zu bemühen, Frieden zu bewahren und zu halten: Im Großen wie im Kleinen. Und vielleicht können wir damit heute Abend anfangen. III. Gott in unserer Mitte Der Höhepunkt des Textes ist dann aber folgender Vers: „Und ich setze mein Heiligtum für immer in ihre Mitte.“ Ein wunderbares Versprechen Gottes, eine wunderschöne Zusage. Das Heiligtum in die Mitte des Volkes zu setzen. Das Heiligtum – das war in der Vorstellung des alten Israel der Teil des Tempels von Jerusalem, in dem Gott in besonderer Weise präsent und anwesend war. Ein eigentlich verschlossener, versperrter und nur dem Hohepriester zugänglicher Ort und Raum. Die Anwesenheit Gottes – nicht mehr in einem Zimmer eines Tempels, sondern unter den Menschen, unter seinem Volk. Das ist die Zusage, die Gott hier tut. Und dieses Versprechen ist – wie die anderen auch – Wirklichkeit geworden in der Geburt Jesu. Gott ist in die Mitte seiner Welt gekommen, ganz hinein, ganz unter die Menschen. Das ist Realität! Das ist in Jesus Christus wahr geworden! Das Heiligtum ist in die Mitte des Volkes gekommen. Und dort soll es bleiben – das ist das, was Gott durch den Propheten eigentlich aufträgt, wozu er aufruft. Das Heiligtum im Zentrum halten – das heißt: Christus im Zentrum halten. Im Großen – hier in unsere Gemeinde, in der Kirche. Im Kleinen – in unseren Häusern und Familien, in unseren Herzen, bei uns. Das Heiligste unter uns wohnen lassen, das ist das, was wir tun sollen, was uns aufgetragen ist; in der Kirche, in den Herzen. Das ist die Botschaft dieses prophetischen Wortes, das ist gleichsam die Botschaft von Weihnachten! Gott ist unter uns – und will in und mit uns sein. Der katholische Barockdichter Angelus Silesius hat den wunderbaren Satz geprägt: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“ Gott will nicht, dass wir verloren gehen – darum kommt er in seinem Sohn, als Kind in der Krippe, in unsere Mitte. In die Welt – mehr noch, in die Herzen. Das Heiligtum kommt zu uns. Kommt zu dir. Glaubst du das, möchtest du das glauben? Wenn da so ist, dann wird all das wahr, was Gott hier verspricht, dann hast du einen einzigen Hirten, dann bist du Teil des Friedensbundes, dann ist das Heiligtum im Zentrum, dann wohnt Gott bei dir ein. Dann ist wirklich Weihnachten. Amen Leopold Potyka |

