Predig am 23. November 2025 in der Erlöserkirche

 

Predigttext – Johannes 5,24-29:

„Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist hinübergegangen aus dem Tod in das Leben. Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt, und sie ist jetzt da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden und leben werden, die hören. Denn wie der Vater in sich Leben hat, so hat er auch dem Sohn verliehen, in sich Leben zu haben. Und er gab ihm Vollmacht, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht, dass es heisst: Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden – die das Gute getan haben, zur Auferstehung ins Leben, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung ins Gericht.“

Amen

Predigt:

Liebe Gemeinde,

heute geht’s um’s Eingemachte. Um das ganz Große. Um das Entscheidende, wenn man so will.

Um die Hoffnungsbotschaft unseres Glaubens, um das Bedeutendste, das Jesus verkündigt hat.

Um das, das alles Andere relativiert, oder zumindest in Relation zu sich stellt.

Um das Ewige Leben – „Ewigkeitssonntag“ heißt der heutige Tag ja.

Ewiges Leben – ein Begriff, der fast zu groß für uns ist, zu gewichtig, um ihn wirklich zu begreifen, weil wir uns ja von der Ewigkeit kein Bild machen können.

Ewiges Leben – das klingt nach etwas, das in weiter Ferne liegt, irgendwann einmal sein wird, auf das wir für die Zukunft vielleicht hoffen. Das aber für unseren Alltag, für uns heute und hier wohl eher geringere Bedeutung hat.

Ewiges Leben – das klingt nach dem, was nach dem Tod kommt.

Und das stimmt natürlich und darüber werden wir noch nachdenken, aber zunächst erscheint es hier in diesen Worten Jesu, wie sie der Evangelist Johannes wiedergibt, doch noch eine andere Bedeutungs- man möchte fast sagen Zeitebene zu haben.

Ewigkeit – schon jetzt

Wie sagt Jesus dort: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist hinübergegangen aus dem Tod in das Leben.“

„Hat ewiges Leben“ – nicht: „wird einmal hoffentlich ewiges Leben haben, wenn er dann gestorben ist“, sondern „Hat“ – heißt: „Hat jetzt!“.

Das ewige Leben ist eben keineswegs eine reine Zukunftsperspektive, nicht Prinzip Hoffnung mit unklarem Ausgang.

Sondern es beginnt bereits jetzt und hier. Oder besser gesagt, es kann bereits jetzt und in diesem Leben und dieser Welt beginnen.

Das kommt aber nicht voraussetzungslos: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat“ – so heißt es.

Wer hört und glaubt, der hat bereits jetzt ewiges Leben – das sagt uns Jesus zu.

Was heißt das?

Was heißt „ewiges Leben“ überhaupt?

Es ist die Überwindung des Todes. Aber nicht dergestalt, dass es den Tod des Leibes nicht mehr gibt – das gelingt niemandem von uns.

Sondern dass der Tod nicht das Ende ist. Dass das Leben vor dem Tod und nach dem Tod besteht. Dass wir an ein Weiterleben glauben, an eine Auferstehung des Leibes und eine Unsterblichkeit der Seele.

Und dieses Leben, das den Tod überspannt. Das ihn nur einem Ereignis des Lebens macht, nicht zum Ende, nicht zum Abschluss – das ist ewiges Leben.

Zu diesem kommen wir nicht, indem wir unsere Körper einfrieren lassen, wie es manche windige Unternehmer anbieten. Sondern indem wir dem glauben, der uns das verkündigt und zusagt.

Ewiges Leben haben ist eine Glaubenssache!

Eine Sache des Glaubens, der aus dem Hören auf das Wort Gottes kommt, auf die Worte, die Jesus gesagt hat, auf die Zusagen Gottes in der Heiligen Schrift.

Und wenn wir diesen Glauben haben, dann beginnt unser ewiges Leben schon jetzt – dann leben wir schon jetzt in der Ewigkeit, die die Ebene Gottes ist, dann gehören wir jetzt schon zu seinen Auserwählten, zu seinem heiligen Volk.

Ewiges Leben – das ist Leben mit Gott und aus der Kraft seines Wortes und seiner Verheißung.

Jetzt schon – vor dem Tod und nach dem Tod!

Ewiges Leben – erst dann

Daneben gibt es aber auch eine Ebene, die noch in der Zukunft liegt. Natürlich für uns, aber auch für die, die uns vorangegangen sind. Für die Verstorbenen dieses Jahres und der Jahre davor.

„Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden“ – heißt es.

Diese Stunde ist noch nicht da. Daran kann man – so knapp vor dem Advent, der Feier der ersten Ankunft Jesu – gar nicht oft genug erinnern.

Wir leben als Christen in der Erwartung der Wiederkunft Jesu, seines zweiten Kommens in diese Welt. Und dieses ist noch nicht eingetreten. Und erst dann findet die Auferstehung allen Fleisches statt, die für uns eine so unfassliche, unfassbare und gleichzeitig so großartige Hoffnungsbotschaft ist.

Das, wovon wir vorhin im Buch des Propheten Daniel in so wunderbar poetischer Sprache gehört haben: „Die Verständigen aber werden glänzen wie der Glanz der Himmelsfeste, und wie die Sterne diejenigen, die viele zur Gerechtigkeit geführt haben, für immer und ewig.“

Das wird erst kommen – diese Fortsetzung des ewigen Lebens. Ewiges Leben, teils auch erst dann.

Die unbequeme Wahrheit – das Gericht

Im Predigttext begegnet uns daneben, neben diesen wunderbaren Botschaften der Hoffnung, aber auch etwas, wovon die meisten Pfarrer und Prediger heutzutage gerne schweigen.

Das Gericht. Jesus ist hier, in dieser seiner Rede, vor allem in dieser Rolle – als Richter am Ende der Zeiten.

Eine unbequeme, ganz unmoderne Vorstellung. Dass Jesus unser aller Richter sein wird, wen er dann einmal wiederkommt.

Und gleichzeitig die schönste und größte Hoffnungsbotschaft überhaupt.

Jesus wird der Richter sein!

Er, der sich für uns hingegeben hat, der für uns Kreuz und Tod erlitten hat, er wird über uns richten.

Kann es einen gütigeren, liebenderen Richter geben als den Menschensohn?

Vor allem für uns, die wir an ihn glauben, unsere Hoffnung und Zuversicht auf ihn setzen?

Denn wer an ihn glaubt, wer das ewige Leben hat, der braucht das Gericht nicht fürchten.

Da ist die „Auferstehung ins Leben“ dann vorgezeichnet, da wird das Gericht kein Schreckensszenario, sondern der Ort der göttlichen Gerechtigkeit für die, die Böses getan haben und der Liebe für alle, die zu Jesus gehören und denen ihre schlechten Taten leid tun.

Gericht heißt: Jesus hat das letzte Wort. Sein Urteil steht am Ende.

Ein Grund der Ehrfurcht, der Anbetung – aber nicht der Furcht.

Weil wir in unserem Glauben, in unserem ewigen Leben das schon jetzt beginnt, dieses Gericht bereits überwunden haben.

Das ewige Leben – ein Weg

Unser aller Leben sind Wege. Wenn wir das ewige Leben haben, dann Wege, die mit dem Tod nicht enden, sondern bei Gott weitergehen.

Das Leben ist ein Weg, den wir niemals ohne Gott gehen. Den wir nie ohne Jesus gehen.

Auch wenn wir das manchmal weniger stark spüren.

Den wir aber erheblich einfacher gehen, wenn wir uns das bewusst machen. Wenn wir darauf unseren Glauben setzen und unsere Hoffnung.

Weil uns dann alles, was uns im Leben widerfährt und geschieht – All die Trauer, all die Abschiede, all die Sterbefälle – von der einen Überzeugung nicht abrücken lassen.

Von dem, was Jesus selber uns zusagt und verspricht: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist hinübergegangen aus dem Tod in das Leben.“

Dass wir aus dieser Gewissheit leben und einmal auch sterben können, das gewähre Gott uns gnädiglich.

Amen

Leopold Potyka