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Predig am 21. Dezember 2025 in der Erlöserkirche
Predigttext – 2. Korinther 1,18-22: „Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich! Der Sohn Gottes, Jesus Christus, der durch uns bei euch verkündigt worden ist – durch mich und Silvanus und Timotheus -, war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist das Ja Wirklichkeit geworden. Denn was immer Gott verheißen hat – in ihm ist das Ja und so auch durch ihn das Amen, damit Gott verherrlicht werde durch uns. Der Gott aber, der uns und euch Festigkeit gibt auf Christus hin und uns gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel aufgedrückt und uns den Geist als ersten Anteil in unsere Herzen gegeben hat.“ Amen Predigt: Liebe Gemeinde, es sind recht unweihnachtliche Verse, die wir gerade gehört haben. Sie entsprechen vielleicht nicht ganz dem, was wir uns am 4. Advent, wenige Tage vor Heiligabend, eigentlich erwarten würden. Sie stammen aber auch aus einer denkbar unadventlichen Situation und Lage. Der Apostel Paulus hat sie geschrieben. An die Gemeinde in Korinth, die sozusagen sein Sorgenkind war. Weil er diese Gemeinde zwar in besonderer Weise geprägt hat, ihr verbunden war und sich aufopfernd um sie gekümmert hat – aber die Korinther ihn mehr als einmal enttäuscht haben, sich anderen Verkündigern zugewandt, Dinge anders gemacht haben, und ihn auch in seinem ganzen Tun und Handeln und Predigen hinterfragt, ihm nicht gefolgt sind. Paulus schreibt den 2. Korintherbrief aus einer Haltung und einer Position der Anfechtung, sicherlich auch der Enttäuschung, der Verunsicherung. Dinge, die wir alle kennen – uns besonders verunsichernd ist es, wenn Menschen, für die wir viel getan haben, sich von uns abwenden – oder das zumindest zeitweise tun; bei den Korinthern und Paulus gibt’s dann ein glückliches Ende. In dieser Situation versucht Paulus nicht, damit zu überzeugen, wie großartig und unfehlbar er selber sei. Versucht nicht durch brillante Rhetorik die Angesprochenen zu seinen Positionen, seiner Verkündigung, zurückzuführen. Er legt das ganz offen dar, was er glaubt, wovon er ausgeht – was ihm, in aller Unsicherheit und Angefochtenheit – Kraft und Gewissheit gib. I. Die Grundlage – die Treue Gottes Und das ist die „Treue Gottes“ – mit der die Verse ja begonnen haben, die uns heute beschäftigen soll. „Bei der Treue Gottes“ – hat es da geheißen. Gottes Treue ist der Ausgangspunkt allen Argumentierens und Handelns. Das, worauf sich Paulus bei allem Widerstand, bei allen Kränkungen, bei allem, was ihm entgegensteht, immer zurückziehen kann. Das, was ihm immer sicher scheint. Treue – das funktioniert ja nur dann, wenn es sicher ist. Wenn sie garantiert ist. Wenn man sie nicht hinterfragen muss. Wenn man nicht daran zweifelt, dass das Gegenüber treu ist. Eine solche unzweifelhafte Treue Gottes ist es auch, die Paulus Kraft und Rückhhalt gibt. Er weiß Gott hinter sich, er weiß um die Unterstützung Gottes – ganz gleich, was ihm im Leben und im Wirken sonst so widerfährt. Diese Treue gilt nun nicht nur dem Apostel. Sie ist nicht nur für Paulus reserviert, nichts, was nur ihn bekräftigen und ermutigen soll. Sie ist dem ganzen Volk Gottes versprochen und zugesagt. Vorhin haben wir in der Lesung davon gehört: „So sollst du erkennen, dass der HERR, dein Gott, Gott ist, der treue Gott, der den Bund hält und die Gnade bewahrt“ – haben wir gehört. Gott war und ist und bleibt treu – er hält seinen Bund, er bewahrt seine Gnade. Seinem erwählten Volk, seinen Aposteln, seiner Kirche – uns allen. Wir müssen uns dieser Treue nicht immer wieder neu versichern, wir haben sie zugesagt und dürfen aus dem Glauben leben, dass Gott selber seine Treue in seinem Bund hält. Sie bleibt uns zugesagt: „Bei der Treue Gottes“ – heißt es. Das ist das Fundament, der Ausgangspunkt allen Handelns und Wirkens. Wie bei Paulus, der die Versöhnung mit den Korinthern, das Fortsetzen seines Dienstes an die Erinnerung an, an das Beschwören diese Treue knüpft. Auch wir dürfen uns das gegenwärtig halten! Gerade im Advent, gerade vor Weihnachten. II. Gottes Ja und Amen Denn in diesen Tagen feiern wir, wie anschaulich, wie real, wie ganz konkret sich die Treue Gottes gezeigt hat. In seinem „Ja“! Gott ist ein bejahender Gott. Er bestätigt seine Treue, er bekräftigt seinen Bund mit diesem Ja. Kein Wanken, kein Zaudern, keine Beliebigkeit – Gott ist bejahend. Gott sagt „Ja“ – zu denen, denen seine Treue gilt. Diese Bestätigung ist das, worin sich der Bund zwischen Gott und Mensch eigentlich erst zeigt. Im ganz Großen – im Bejahen seines Volkes. In der Treue, die er seinem Volk zusagt, bei allen Entfremdungen und Enttäuschungen. Im Kleinen, Persönlichen – im Bejahen von jedem und jeder von uns, die wir Anteil haben am Bund Gottes, die wir Teil seiner Kirche, seiner Gemeinde, seines Volkes sind. „Ich glaube… dass auch ich ein lebendiges Glied dieser Gemeinde bin und ewig bleiben werde.“ – so haben wir vorhin aus dem Katechismus gehört. Und im ganz Konkreten – in dem, was wir zu Weihnachten feiern – im ganz großen „Ja“ Gottes zu dieser Welt, zu den Menschen, zu uns, zu dir. In seinem Kommen in die Welt. Im Kommen Jesu in die Welt. Wie haben wir gehört: „Der Sohn Gottes, Jesus Christus, … war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist das Ja Wirklichkeit geworden. Denn was immer Gott verheißen hat – in ihm ist das Ja und so auch durch ihn das Amen.“ Gott bejaht, Gott bestätigt – und dieses Ja wird Wirklichkeit! Ganz konkret, als Kind in der Krippe, als Heiler und Lehrer, als Gekreuzigter und Auferstandener. Jesus ist das große Ja Gottes zu dieser Welt. Der letztgültige Erweis seiner Treue. Der Bestätiger des Bundes. In Jesus Christus sagt Gott “Ja“ – und er tut das auch zu dir, bei aller Anfechtung, bei allen Enttäuschungen, bei allem, was dich kränkt und belastet, wo du dich hinterfragt, missverstanden oder alleingelassen fühlst. In Jesus zeigt Gott dir seine Treue! Beweist dir sein Ja! Sagt „Amen – so sei es“ auch zu dir! Aus dieser Gewissheit hat Paulus die Kraft gezogen, allen Widerständen und Enttäuschungen und Anfechtungen zum Trotz seine Verkündigung fortzusetzen. Nimm auch du diese Zusage als Kraftgeber, als Trostspender, als Aufrichter – als Grund für Freude, Dankbarkeit und wirklich weihnachtliche Fröhlichkeit! „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ – haben wir eingangs ja aus dem Philipperbrief gehört. Diese Freude soll uns erfüllen, soll uns bestärken, soll aber nach außen dringen – „damit Gott verherrlicht werde durch uns.“ – schreibt Paulus. Wir sind nicht nur Empfänger und Nutznießer der Treue Gottes, seines Bejahens und Bestätigens, sondern sollen und dürfen ihm dafür auch Dank sagen, in ehren und verehren – vergessen wir das nicht! Gott verherrlichen – das ist die erste und höchste Aufgabe eines jeden Christen, einer jeden Christin. Besonders in der Weihnachtszeit. Gott verherrlichen für seine Gnade, für seine Güte, für sein Kommen – für sein Ja und sein Amen. Nimm das mit in den heutigen Sonntag, in die Woche, in die letzten Tage vor Weihnachten! Nimm das mit in deine Anfechtungen und Krisen, deine Konflikte und Enttäuschungen! Nimm das mit in deine Freude und Fröhlichkeit, dein Jubeln und Feiern! Dass das gelingen kann, dazu gebe der treue Gott seinen Segen. Amen Leopold Potyka |

