Foto: H.B. Wien Süd

Von Propheten, Unvorhersagbarem und
Segen auf Distanz

Foto: H.B. Wien Süd

Am Sonntag, dem 21. Juni 2020, fand sich die Gemeinde der reformierten Erlöserkirche zum Gottesdienst zusammen um der Frage nachzugehen „Sind wir nicht alle Propheten…?“. Nun ist die Tatsache, dass sich eine Gemeinde an einem Sonntag zum Gottesdienst trifft, an sich nichts Ungewöhnliches. Auch die in der Predigt gestellte Frage nach dem Aussehen und dem Gebärden von Propheten wäre noch nichts, was nach dem Predigttext aus dem ersten Buch Samuel (1. Sam 10, 1-11) in irgendeiner Weise aus dem vertrauten Rahmen fallen würde. Und trotzdem… einiges an diesem Gottesdienst hätten wir vor noch drei Monaten für schlichtweg unvorstellbar, geschweige denn vorhersagbar gehalten. So traf sich die Gemeinde in der geliehenen Thomaskirche, bewaffnet mit Mund-Nasen-Schutzmasken, Desinfektionsspray und, auch eher unerwartet, Regenschirmen. Eigentlich hätte der Gottesdienst ja VOR der Thomaskirche stattfinden sollen, die Feiernden hätten statt Regenschirmen Klappsessel dabei haben und ihr mitgebrachtes Picknick auf der Wiese statt auf dem grünen Teppich des Kirchenraumes verzehren sollen. Doch auch das Wetter hat sich der sommerlichen Vorhersage entzogen und folgte lieber der in der Feier vorgetragenen „Wassermusik“ Georg Friedrich Händels als dem Wunsch der Feiernden.

 

Foto: Franz Radner

Gefeiert wurde trotzdem: Gerti Seper und Ulrich Körtner feierten ihr fünfzigjähriges Konfirmationsjubiläum – dass beide dies gemeinsam in Wien, im Rahmen eines derart ungewöhnlichen Gottesdienstes, tun würden, war wohl zum Zeitpunkt ihrer Konfirmationen für beide ebenfalls noch nicht vorhersagbar. Auch den Eintritt Philipp Vostrovsky‘s in die Gemeinde feierten wir, und natürlich wurden alle drei gesegnet.

Foto: Franz Radner

 


So stehen die Zeichen der Zeit zwar auf 
Distanz und Vorsicht, die Zeichen der Gemeinde jedoch weiterhin und mehr denn je auf Zusammenhalt und gemeinsame Freude. Und wir müssen gar nicht alle Propheten sein um vorherzusagen, dass diese Zeichen auch durch eine globale Pandemie nicht unsichtbar gemacht werden können. Aber wie funktioniert das unter Wahrung der coronabedingten Abstandsregeln? Ganz einfach: mit einem Segen auf Distanz, der sich praktischerweise berührungslos auftragen lässt und seinen Wohlgeruch hinterher in der Gemeinde verbreitet.

„Und wenn diese Zeichen für dich eintreffen, tu, was sich dir anbietet, denn Gott ist mit dir.“
(1.Sam 10, 7)

(Katharina Radner)

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