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Predig am 3. Mai 2026 in der Erlöserkirche
Kanzelgruß: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Predigttext – Römer 12:9–16: Die Liebe sei ohne Heuchelei! Das Böse wollen wir verabscheuen, dem Guten hangen wir an. In geschwisterlicher Liebe sind wir einander zugetan, in gegenseitiger Achtung kommen wir einander zuvor. In der Hingabe zögern wir nicht, im Geist brennen wir, dem Herrn dienen wir. In der Hoffnung freuen wir uns, in der Bedrängnis üben wir Geduld, am Gebet halten wir fest. Um die Nöte der Heiligen kümmern wir uns, von der Gastfreundschaft lassen wir nicht ab. Segnet, die euch verfolgen, segnet sie und verflucht sie nicht! Freuen wollen wir uns mit den Fröhlichen und weinen mit den Weinenden. Seid allen gegenüber gleich gesinnt; richtet euren Sinn nicht auf Hohes, seid vielmehr den Geringen zugetan. Haltet euch nicht selbst für klug! Predigt: Das Recht auf Hass Liebe Gemeinde, ich bin an den ersten Worten unseres Textes hängengeblieben. Etwas genauer aus dem Griechischen übersetzt: „Die Liebe sei aufrichtig, Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten.“ Verabscheut, hasst zutiefst das Böse. I. Hass ist Tabu Es gibt Gefühle und wir meinen, wir dürfen sie uns leisten. Natürlich zählen dazu Liebe, Glückseligkeit, aber auch Angst, Ratlosigkeit, ja sogar Gleichgültigkeit. Zweifel gehört inzwischen auch dazu. Die Theologie hat ihn rehabilitiert, der redliche Unglaube gilt mancherorts als ehrlicher als das billige Bekenntnis. In der Trauer üben wir uns noch ein wenig ein, sogar Wut wird auch toleriert, wenn sie sich schnell genug in konstruktive Energie verwandelt, wenn sie Projekte gebiert, Initiativen, Spendenaufrufe. Aber Hass? Hass ist das letzte Tabu. Nicht weil er seltener wäre als die anderen Gefühle – er ist es nicht, das wissen wir alle – sondern weil wir gelernt haben, ihn zu verschweigen. Gründlich, sorgfältig, seit früher Kindheit. In der Kirche zumal. Hier wird geliebt, vergeben, losgelassen. In der Kirche spricht man von Versöhnung, von der anderen Wange, vom Feind, den man segnen soll. Das sind keine falschen Sätze. Aber sie sind, im Laufe der Jahrhunderte, oft zu etwas anderem geworden als das, was sie sein wollten: Sie sind Verbote geworden. Verbote, ehrlich zu sein. Verbote, das zu benennen, was tatsächlich in uns vorgeht. Die fromme Lüge, den Hass zu unterdrücken, beginnt früh. Sie beginnt in dem Moment, wo einem Kind gesagt wird: Hass nicht – ohne zu fragen, was das Kind erlebt hat, ohne zu hören, was ihm angetan wurde, ohne Raum zu lassen für das, was es tatsächlich fühlt. Und das Kind lernt: Dieser Teil meines Innenlebens ist nicht salonfähig. Dieser Teil gehört nicht vor Gott. Dieser Teil bleibt verborgen. Dafür stehen viele Text in der Bibel, die sich mit Hass beschäftigen. Sehr viele Psalmen handeln vom Hass. Psalm 137 erschreckt uns sogar mit dem Wunsch, die Kinder des Feindes an den Felsen zu schmettern. Worte, die uns heute den Atem verschlagen, die wir nicht hören wollen – und das aus gutem Grund. Im Psalmenteil unseres Gesangbuchs wurden viele Texte zensuriert. Aber: Die Kirche hat diese Texte aus der Bibel nie herausgenommen, sie hat keinen bereinigten Psalter herausgegeben, aus dem die unbequemen Verse fehlen. Sie hat nur aufgehört, diese Texte zu lesen. Sie hat sie still in den Winkel gestellt, zwischen die Seiten, die man überschlägt. Das ist bezeichnend. Denn was wir nicht lesen, müssen wir nicht erklären. Was wir nicht erklären, müssen wir nicht fühlen. Dennoch: was wir nicht fühlen dürfen, hört nicht auf zu existieren – es geht nur in den Untergrund. Und dort, im Untergrund, wächst es. Unbenannt, unkontrolliert, ohne Gestalt – und deshalb gefährlicher als je zuvor. Der Hass, den wir nicht benennen dürfen, der verkleidet sich. Er wird zur Erschöpfung, zur Depression, zur diffusen Gereiztheit, die sich an den Falschen entlädt. Er wird zum langen Schweigen in Beziehungen, zur kühlen Distanz, die wir Gelassenheit nennen, obwohl wir wissen, dass sie etwas anderes ist. Er wird zur politischen Apathie, zur Resignation, zum Es hat ja sowieso keinen Sinn – weil der Zorn keinen Ausweg findet und sich nach innen wendet. Und so richtet die fromme Lüge Schaden an. II. Wir verspüren Hass Aber seien wir mal ehrlich: Wir hassen. Nicht immer, hoffentlich, nicht alles und nicht jeden. Aber: wir hassen. Wir hassen Politiker und Politikerinnen, die mit freundlichem Lächeln und sorgsam frisierten Sätzen Entscheidungen treffen, die das Leben von Tausenden schwerer, ärmer, enger machen – und die abends gut schlafen, weil sie überzeugt sind, das Richtige zu tun, oder weil sie längst aufgehört haben, sich das zu fragen. Wir hassen die Konzerne, die Flüsse und sogar unsere Körper vergiften, Luft verseuchen, Böden auf Generationen hinaus zerstören, und die dann in Hochglanzberichten und bunten Nachhaltigkeitsbilanzen von ihrer Verantwortung sprechen. Wir hassen Systeme, die die Schwachen zermahlen und die Starken schützen, die Regeln erfinden, die für die einen gelten und für die anderen nicht. Wir hassen – und ich hoffe, wir tun das – Kriege, die Unschuldige und Wehrlose für Kollateralschäden erklärt. Aber der Hass hört nicht bei den großen Strukturen auf. Er ist auch kleiner, persönlicher, unmittelbarer. Wir hassen den Nachbar, der uns grundlos verklagt hat, jahrelang, wegen einer Kleinigkeit, und der dabei so ruhig wirkte, so überzeugt von ihrem Recht. Wir hassen den Menschen, der uns tief verletzt hat und nie – nie – um Verzeihung gebeten hat, der vielleicht nicht einmal weiß, was er angerichtet hat. Wir hassen manchmal die Situation, in der wir stecken, und den, den wir dafür verantwortlich machen, auch wenn die Verhältnisse komplizierter sind, als wir zugeben möchten. Haben Frauen nicht das Recht, jene zu hassen, die ihnen Unrecht tun? Haben Schwule nicht das Recht, jene zu hassen, die sie demütigen? Ich glaube nicht, dass das das etwas mit Sünde zu tun hat. Das ist Menschsein. Wer das Recht auf Hassen leugnet, ist nicht heiliger. Er ist nur weniger ehrlich. Und Unehrlichkeit vor sich selbst ist keine Tugend, auch wenn sie fromm klingt. Sie ist Selbstschutz – verständlich, menschlich, aber keine geistliche Leistung. Michela Murgia, eine geschätzte italienische Schriftstellerin und Theologin, die vor gar nicht so langer Zeit an Krebs gestorben ist, hat einmal öffentlich gesagt, sie hasse zwei- bis sechsmal pro Woche. Das war keine Provokation um der Provokation willen. Es war eine Einladung – die Einladung, endlich aufzuhören, so zu tun, als ob das Leben erträglich wäre ohne das Recht, es manchmal unerträglich zu finden. Als ob Engagement möglich wäre ohne den Zorn, der ihn nährt. Als ob Liebe denkbar wäre ohne die Fähigkeit, dass ihr Entgegengesetzte auch als solches zu erkennen und zu benennen. Der 139. Psalm, den wir vorhin gehört haben. betet: „Prüfe mich, Gott, erkenne mein Herz, erforsche mich und erkenne meine Gedanken.“ Das ist ein Gebet radikaler Transparenz – der Beter öffnet sich vollständig, er versteckt nichts. Aber was steht wenige Verse vorher? „Solltest du nicht hassen, Gott, die dich hassen? Solltest du nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben? Ich hasse sie mit vollkommenem Hass – zu Feinden sind sie mir geworden.“ Derselbe Psalm. Derselbe Beter. Derselbe Gott, dem er sich öffnet. Ehrlichkeit vor Gott schließt den Hass nicht aus. Sie schließt ihn ein. Wer sich vor Gott zeigt, zeigt sich ganz – nicht nur die frommen, vorzeigbaren Teile. Wer betet, bringt alles mit. Auch das. III. Das Recht auf Hass Aber hier ist eine Unterscheidung notwendig. Und es wäre unehrlich, sie zu übergehen. Nicht jeder Hass ist gleich. Das weiß jeder, der einmal in einem Hass gelebt hat, der ihn selbst aufgefressen hat. Der Hass, der sich nährt, der täglich größer wird, der den Hassenden selbst vergiftet und verändert, der ihn enger macht, starrer, unfähiger zu allem anderen – dieser Hass ist keine Befreiung. Er ist eine weitere Form der Knechtschaft. Er gibt dem, was wir hassen, noch mehr Macht über uns, als es ohnehin schon hat. Darum geht es hier nicht. Es geht um etwas anderes: um den Hass als Erkenntnisakt. Um den Hass als die emotionale Antwort auf eine moralische Wahrnehmung. Wenn ich sage: Ich hasse diese Ungerechtigkeit – dann ist das keine pathologische Reaktion. Das ist ein Urteil. Es ist die Aussage: Ich habe etwas gesehen. Ich habe es eingeordnet. Und ich weigere mich, es normal zu finden. Die Propheten haben das gewusst. Amos lässt von Gott ausrichten: „Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie. Eure Versammlungen kann ich nicht riechen. Wenn ihr mir Brandopfer darbringt – ich habe kein Wohlgefallen daran.” Das ist Gott, der redet. Und Gott hasst. Nicht die Menschen – sondern die religiöse Heuchelei, den Kult ohne Gerechtigkeit, die Frömmigkeit ohne Konsequenz. Hass als prophetische Kategorie, nicht als Schwäche, nicht als Fehler – sondern als die einzig angemessene Reaktion auf das, was nicht sein sollte und dennoch ist. Paulus schreibt im zwölften Kapitel des Römerbriefs einen der dichtesten ethischen Texte des Neuen Testaments. Und er beginnt mit einem Satz, der in den meisten Übersetzungen abgemildert wird: Die Liebe sei ungeheuchelt – und dann, im griechischen Originaltext: ἀποστυγοῦντες τὸ πονηρόν – mit Abscheu hassend das Böse. Nicht: meidet das Böse. Nicht: haltet Abstand vom Bösen. Hasst es. Mit Abscheu. Mit dem ganzen Gewicht dieses Wortes. Paulus sagt nicht: Seid nett. Er sagt: Liebt wahrhaftig. Und wer wahrhaftig liebt, hasst auch. Weil echte Liebe Augen hat, die sehen, was dem Geliebten schadet. Weil echte Liebe nicht gleichgültig sein kann gegenüber dem, was zerstört. Wer das Böse nicht hasst, liebt das Gute nicht wirklich – er liebt nur seine eigene Ruhe. Das Recht auf Hass ist also auch das Recht auf moralische Klarheit. Die Fähigkeit zu sagen: Das hier ist nicht vertretbar. Das hier nenne ich beim Namen. Ich lasse mich nicht vertrösten, nicht beschwichtigen, nicht einlullen mit der Rede von Komplexität und Ausgewogenheit, wenn vor meinen Augen Unrecht geschieht. Die Kirche hat dieses Recht oft aufgegeben. Im Namen des ewigen Bemühens, es allen rechtzumachen, alle im Boot zu halten. Natürlich heißt es lieber „im Namen der Neutralität, der pastoralen Besonnenheit.“ Sie hat gelernt, in der Sprache des Sowohl-als-auch zu reden, wo die Situation ein klares Entweder-oder verlangte. Vielleicht klingt das ein wenig harsch, aber ich denke, dass sie damit keinen Frieden gestiftet hat. Vielleicht hat sie damit sogar ein Stück weit Gerechtigkeit verraten. IV. Der göttliche Hass Die Bibel geht einen Schritt weiter, der vielleicht verstörend klingt. Es heißt dort: Auch Gott hasst. Das ist kein Versprecher, keine provokante Übertreibung. Das ist eine biblische Aussage, die sich durch beide Testamente zieht wie ein roter Faden, den wir lieber nicht sehen wollten. Der Gott der Bibel ist kein gleichmütiger Beobachter, kein kosmisches Prinzip, das über allem schwebt und nichts berührt. Er ist ein Gott, der Partei ergreift. Der sich empört. Der sich abwendet. Der hasst. Der Prophet Jesaja spricht von einem Gott, dem die Ausbeutung der Armen zuwider ist. Die Psalmen singen von einem Gott, der den Hochmut hasst, die Lüge hasst, das Unrecht hasst. Das ist kein Gott, dem alles gleich ist. Das ist ein Gott, dem etwas am Herzen liegt – und der deshalb auch die Fähigkeit hat, das ihm Entgegengesetzte abzulehnen, zu verwerfen, ja: zu hassen. Der Beter des 139. Psalms macht etwas Gewagtes: Er verbündet seinen eigenen Hass mit dem Hass Gottes. „Solltest du nicht hassen, Gott, die dich hassen?“ – das ist kein Aufruf zur Vergeltung. Es ist eine theologische Verortung. Der Beter sagt: Mein Hass auf das Böse ist nicht nur mein privates Gefühl. Er hat einen Grund jenseits meiner selbst. Er ist verbunden mit dem, was auch Gott nicht duldet. Mein Hass auf Ungerechtigkeit ist nicht Eigenmächtigkeit – er ist Resonanz. Ich bin in meiner Ungerechtigkeit nicht allein. Ich darf sie benennen, ich darf sie fühlen und ich darf sie vor Gott bringen. Das klingt gefährlich. Und es ist gefährlich – wenn man es falsch liest. Die Geschichte ist voll von Menschen, die ihren Hass mit dem Willen Gottes gleichgesetzt haben und dabei Furchtbares angerichtet haben. Das ist nicht gemeint. Was gemeint ist: dass der Hass auf das Böse keine gottlose Regung ist. Dass der Schrei der Empörung, der aus uns aufsteigt, wenn wir Unrecht sehen, nicht aus einem dunklen, unchristlichen Winkel unserer Seele kommt – sondern aus einer Tiefe, die mit dem verbunden ist, was auch Gott bewegt. Ein Gott, der nichts hasst, kann auch nichts lieben. Das ist keine Paradoxie. Das ist schlichte Gefühlslogik, eine Logik der Leidenschaft. Das Gegenteil von Hass, liebe Gemeinde, ist nicht Liebe. Paulus, so lese ich ihn, meint sogar, dass Hass und Liebe sich gegenseitig ergänzen. Das Gegenteil von Hass ist Gleichgültigkeit, Gefühlslosigkeit, Desinteresse, Bedeutungslosigkeit. Wer für nichts brennt, verlöscht auch für nichts. Ich bin fast verleitet zu behaupten: Ein Gott ohne Hass wäre ein Gott ohne Herz. V. Gott den Hass überlassen Und hier ist die Wendung. Die Auflösung. Die nicht Versöhnung heißt – zumindest nicht im Sinne von Verdrängung oder vorzeitiger Harmonie – sondern Übergabe. Die Klagepsalmen enden nie bei sich selbst. Das Geheimnis dieser Gebete liegt nicht im Schluss. Das Geheimnis liegt darin, den Schmerz, den Zorn, den Aufschrei zu benennen und nicht zu schnell zu einem tröstlichen Schluss überzugehen. Der Beter bringt alles vor Gott. Den Schmerz. Den Zorn. Den Hass. Er versteckt nichts, er beschönigt nichts, er formt es nicht um in fromme Sprache, bevor er es ausspricht. Er sagt es, wie es ist. Und dann – dann lässt er es dort. Dann lässt er los. Nicht weil es erledigt wäre. Nicht weil er plötzlich vergeben hätte, weil der Schmerz verschwunden wäre, weil die Ungerechtigkeit sich aufgelöst hätte. Sondern weil er begriffen hat: Das Gericht liegt nicht in meinen Händen. Ich bin nicht der Richter. Noch weniger bin ich der Vollstrecker. Ich muss nicht selbst die Waage halten und das Urteil vollstrecken. Diese Unterscheidung zwischen Hassen und ein Urteil vollstrecken muss uns klar sein, darf uns nicht entgehen. Paulus schreibt, ebenfalls im zwölften Kapitel des Römerbriefs: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich werde vergelten, spricht der Herr.“ Das ist eine Entlastung für Menschen, die ernsthaft gerechter Zorn trägt – Menschen, die so lange so viel getragen haben, dass sie Gefahr laufen, im Hass zu versinken und darin zu ertrinken. Die Rache ist mein – das ist keine Drohung. Es ist eine Befreiung. Du musst nicht. Du musst nicht selbst das Gleichgewicht wiederherstellen. Du musst nicht im Hass verweilen, bis Gerechtigkeit geschieht – denn Gerechtigkeit kann lange auf sich warten lassen, aber der Hass, der auf sie wartet, zerstört den Wartenden. Du darfst benennen. Du darfst klagen. Du darfst hassen – ehrlich, vollständig, ohne Beschönigung. Und dann darfst du es hinlegen. Vor Gott. Und weitergehen. Das ist vielleicht die schwerste spirituelle Übung, die es gibt. Schwerer als Vergebung, die oft zu früh gefordert wird. Schwerer als Versöhnung, die manchmal gar nicht möglich ist. Diese Übung heißt: Ich nehme mein Gefühl ernst. Ich nehme die Ungerechtigkeit ernst. Ich nehme meine eigene Empörung ernst. Und ich erkenne gleichzeitig an, dass ich nicht der bin, der die Geschichte zu Ende schreibt. Aber ich kann trotzdem einen Punkt setzen und Gott den Rest schreiben lassen. Das Gebet ist einer der Orte, wo das geschieht. Nicht das fromme, glattgeschliffene Gebet, das nur sagt, was man sagen darf. Sondern das Gebet, das Psalm 139 lehrt: Hier bin ich, Gott. Hier ist mein Herz. Hier ist mein Hass. Hier ist meine Erschöpfung. Prüfe mich. Erkenne mich. Und trag, was ich nicht mehr tragen kann. Das Benennen des Unerträglichen ist keine Niederlage, sondern ein Akt der Würde. Dass der Mensch, der sagt ich hasse – und dann fragt was mache ich damit – weiter ist als der Mensch, der sagt ich hasse nicht und damit aufhört. Liebe Gemeinde, wir haben das Recht, zu hassen, was hassenswert ist. Ja, wir haben sogar die Pflicht, ehrlich damit zu sein. Und wir haben die Gnade, es nicht allein zu tragen. Amen. Angelo Comino |

