Vielfalt

Alles ganz einfach

 


Einfache Antworten auf komplizierte Fragen haben Hochkonjunktur. Vereinfacht auch Religion unsere Sicht der Welt?

Zumindest wird das Religionen, und damit auch unserem christlichen Glauben, gerne vorgeworfen: die vereinfachende Einteilung der Welt in Gut und Böse, Brave und Sünder, in die, die Gott mag und die, die er ablehnt. Diese Tendenz gibt es, und klare Vorgaben, was richtig und was falsch ist, haben auch im Bereich des Glaubens ihre Berechtigung. Mehr noch: Glaube möchte ja die Augen öffnen für das Gute und vor dem Schlechten warnen. Nur: zu einfach dürfen wir es uns dabei nicht machen.

Nicht immer alles so klar

Schließlich gibt es einen großen Unterschied zwischen dem, was in den Augen Gottes gut ist – und dem, was wir davon erkennen. „Manchmal kennen wir Gottes Willen, manchmal kennen wir nichts“, lautet eine Liedzeile in unserem Evangelischen Gesangbuch. (Nr. 633) Wir sind auf der berechtigten Suche nach Klarheit und Durchblick, müssen uns aber immer wieder bewusst sein: unser Wissen bleibt Stückwerk, wie es auch im 13. Kapitel des ersten Korinther¬briefs heißt. Daher ist Vorsicht geboten, wenn uns jemand versucht, eine all zu einfache Wahrheit zu verkaufen. Ganz besonders, wenn es eine Wahrheit über Gott sein soll.

Unsicherheiten aushalten

Die Suche nach Wahrheiten, so weit sie sich uns überhaupt erschließen können, ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir teilen die Rätsel und Fragen des Lebens, und gemeinsam können wir Antworten finden. Wahr ist nicht unbedingt nur das, was für mich wahr ist, sondern oft erst das, was uns gemeinsam weiter bringt. Andere Wahrheiten kennen zu lernen, ist Bereicherung, erweitert meinen Horizont – und öffnet mir die Augen für die Größe Gottes. Dass er die Wahrheit ist und die Wahrheit kennt, dem können wir vertrauen.

Pfr. Johannes Wittich